Wirtschaftsverband 100 Prozent Erneuerbare Energien

Wirtschaftsverband 100 Prozent Erneuerbare Energien

Newsletter Februar 2015

 

Inhalt

• Editorial

• EWS-Kampagne zu Hinkley Point C

• Energietour Dezember 2014 "Innovative Lüftungstechnik", Vorschau 2015

• Grünbuch des Bundeswirtschaftsministeriums

• Termine

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Liebe Mitglieder und Freunde des Wirtschaftsverbands 100 Prozent,

viele schlechte Nachrichten erreichen uns in diesen Tagen, insbesondere aus der Solarregion Freiburg: Der französische Soitec-Konzern hat den Ausstieg aus der Solarsparte angekündigt (mit der am ISE entwickelten Technologie wurden unter dem Namen Concentrix Konzentrator-Photovoltaik-Zellen in Freiburg produziert); die Freiburger Solarfabrik befindet sich seit dem 2. Februar im Insolvenzverfahren; und auch das Jahr für Jahr stetig wachsende Fraunhofer ISE muss auf den Rückgang von Forschungsaufträgen aus der Industrie reagieren, indem eine „Phase der Konsolidierung“ (Eicke Weber) bei der Mitarbeiterentwicklung eingeleitet wurde.

Die Solarbranche verliert regional Arbeitsplätze – wir haben seit 2012 davor gewarnt. Denn nun erleben wir die traurigen Folgen der EEG-Novellierungen 2012 und 2014. Diese Entwicklung ist nicht vom Himmel gefallen, sondern die logische Folge der Gängelung der deutschen Solar-Wirtschaft durch die Bundespolitik. Deutschland ist bei den Neuinstallationen von PV-Anlagen weltweit auf den fünften Platz zurückgefallen. Nicht nur China, die USA und Japan liegen inzwischen vor der BRD, selbst Großbritannien hat uns überholt. Statt die deutschen Investitionen in die Solartechnik mit einer zukunftsorientierten Industriepolitik abzusichern und jetzt weltweit zu ernten, was man gesät hat, reguliert die Bundesregierung den PV-Ausbau zu Tode.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Bei der Windenergie ist ihr das bislang noch nicht gelungen. Der deutsche Windkraftausbau schritt zum Ärger der Atom- und Kohlestrom-Lobbyisten 2014 voran. 4.750 Megawatt Windleistung wurden installiert, was einem Zuwachs von 58 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die beleidigte Reaktion des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Michael Fuchs und des wirtschafts- und energiepolitischen Sprechers Joachim Pfeiffer (CDU) erfolgte prompt. Ich zitiere aus Ihrer Presseerklärung, die für sich selbst spricht: "Wir schießen bei der Windenergie an Land weit über die vereinbarten Ziele hinaus. Selbst wenn man die Anlagen abzieht, die außer Betrieb gehen, liegt der Zubau immer noch bei 4400 MW und damit 1800 MW über Plan. Diese eklatante Fehlsteuerung haben wir den grün-geführten Ländern und Landesministerien zu verdanken, die im Bundesrat auf Drängen der Windbranche großzügige Übergangsregelungen und geringstmögliche Förderkürzungen im EEG durchgesetzt haben. Dabei haben wir schon damals vor den Folgen gewarnt. Es ist doch bekannt, dass die Erneuerbaren-Branchen selbst dann jammern, wenn Projektierer und Betreiber zweistellige Renditen einfahren. Das haben wir beim Photovoltaik-Boom ab 2008 zur Genüge erlebt."

Leisten wir weiterhin Widerstand gegen diese politische Linie und hoffen wir, dass Deutschland vom weltweiten Boom der Solar- und Windenergie in den nächsten Jahren mitgerissen wird. Ernten wir die Früchte unserer Wissenschaft und Ingenieurskunst. Und schreiten wir endlich auch im Südwesten unserer Republik mit dem konsequenten Ausbau der Windkraft voran.

In diesem kämpferischen Sinne sonnige Grüße,
Ihr

Per Klabundt
Geschäftsführer
Wirtschaftsverband 100 Prozent

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EWS-Kampagne: Über 50.000 Beschwerden gegen britischen AKW-Neubau Hinkley Point C eingereicht
Vertrauliche Dokumente offenbaren Drohungen der britischen Regierung gegen Österreich

Haben Sie schon eine Beschwerde bei der EU eingereicht gegen die im Herbst 2014 erfolgte Ausnahmegenehmigung für die Subventionierung des EDF-Projekts? Sind Sie bereits unter den inzwischen über 52.000 EU-Bürgerinnen und –Bürgern, die sich der Kampagne unseres Gesellschafters Elektrizitätswerke Schönau (EWS) gegen die skandalösen Pläne der britischen Regierung angeschlossen haben?

Falls nicht, dann bitten wir Sie als Kampagnenpartner der EWS, jetzt aktiv zu werden. Laut einer Pressemitteilung aus Schönau gewinnt das mit Subventionen geradezu überschüttete Projekt David Camerons aktuell an Brisanz: Eine Veröffentlichung vertraulicher Dokumente der österreichischen Diplomatie zeigt auf, dass Österreich nun offenbar von der britischen Regierung massiv unter Druck gesetzt, um eine angekündigte Klage Österreichs gegen den EU-Kommissionsbeschluss zu verhindern. In einer Depesche des österreichischen Botschafters in London berichtet dieser von "einer systematischen Erarbeitung von Österreich schädigenden Gegenmaßnahmen" durch Großbritannien und "negativen Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen". Großbritannien werde "jede Gelegenheit wahrnehmen, Österreich zu klagen oder zu schaden", heißt es in dem Schreiben, das am 11. Februar 2015 von österreichischen Medien veröffentlicht wurde.

Sebastian Sladek: „Angesichts des massiven Drucks der britischen Regierung wollen die EWS Schönau ihre Beschwerde-Aktion nun noch weiter intensivieren. […] Umso wichtiger ist es nun, dass die Bürger der EU mit ihrer Beschwerde gegen die Hinkley-Point-Entscheidung der EU-Kommission Österreich solidarisch den Rücken stärken.“

Hintergrundinformationen zum Beschluss der EU-Kommission und der Beschwerde-Aktion finden Sie unter: https://www.ews-schoenau.de/kampagne.

Das vollständige Schreiben des österreichischen Botschafters in London:
http://de.scribd.com/doc/255294725/EU-Klage-Hinkley-Point.

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Bericht von der Energietour 5-2014 "Innovative Lüftungstechnik"

Die letzte Energietour des Jahres 2014 stand am 16. Dezember unter dem Motto "Energetische Sanierung von Gewerbeimmobilien – Gutes (Arbeits-)Klima in der Firma“. Zwei ganz unterschiedlich konzipierte Anlagen machten den Teilnehmern der Fachexkursion beispielhaft bewusst, dass man viele Möglichkeiten zum erfolgreichen Lüften hat.

Erste Station war das Solar Info Center Freiburg: Die sechsstöckige Gewerbeimmobilie wurde vor gut zehn Jahren gebaut und mit einer 100% klimaneutralen Wärmeversorgung geplant. Eine anspruchsvolle Aufgabe, wenn man an die Lüftung und Klimatisierung der über 14.000 m² Nutzfläche denkt. Erreicht wurde dies über verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung des Wärmeenergiebedarfs insgesamt sowie durch Wärmerückgewinnung, die Einbeziehung von Geothermie, Photovoltaik und Solarthermie sowie eine automatisch geregelte Verschattung kombiniert mit einem besonderen Konzept der Kühlung mit Nachtluft. Als Planer und Betreiber berichtete Rolf Buschmann von den Erfahrungen der letzten Jahre, die für die ursprüngliche Konzeption kaum Änderungen mit sich brachte. Eine besondere Bestätigung für das innovative Gebäudekonzept war die selten vergebene Platin-Auszeichnung im internationalen LEED-Zertifizierungsverfahren 2014.

Noch beeindruckt vom Klimatisierungskonzept des Solar Info Centers trafen die Tour-Teilnehmer an der zweiten Station auf ein ganz anderes innovatives Lüftungs- und Klimatisierungskonzept im Noll-Turm (Tullastraße). Auch der Noll-Turm ist ein Bürogebäude: Er wurde letztes Jahr um vier Stockwerke aufgestockt und verzichtet auf eine zentrale RLT-Anlage. Lebendig und faktenreich erklärt und vorgeführt von Detlef Knöller von der Firma Lüftungstechnik Baden wurde deutlich, wie in Räumen, die auf maximale Flexibilität bzgl. deren Nutzbarkeit als vermietbare Gewerberäume über eine Nutzungszeit von 30 Jahren ausgelegt sind, mit dezentralen Lüftungs- und Klimatisierungsgeräten betriebskostengünstig ein angenehmes Raumklima erreicht werden kann. Deutlich wurde zudem, wie sehr energie- und kosteneffiziente Klimatisierung mit dem Nutzerverhalten gekoppelt ist und wie dies in zeitgemäße Planungen einbezogen werden muss.

Abschließend erläuterte Prof. Dr. Jens Pfafferott von der Hochschule Offenburg in den Räumen der badenova, welche zentrale Rolle die Lüftungstechnik – gerade auch energetisch - für die Gebäudetechnik spielt. Sein Einblick in die Bestrebungen der Forschung (Ziel: Gebäudeklimatisierung mit jährlich max. 100 kWh/m2 Nutzfläche) machten deutlich, was alles für eine gebäudeoptimale Klimatisierungsstrategie beachtet werden sollte und welche Effizienzgewinne damit erzielbar sind. Aber auch hier wurde deutlich, wie sehr das Nutzerverhalten und –empfinden mit der Technik gekoppelt ist, ist doch die Raumtemperatur ein sehr wichtiges Kriterium für das Wohlfühlen im Gebäude.

Ausblick Energietouren 2015

Auch für 2015 haben die bewährten Partner Handwerkskammer Freiburg, die badenova AG, der Wirtschaftsverband 100 Prozent Erneuerbare Energien, der Verein „Klimapartner am Oberrhein wieder fünf Energietouren geplant.

Den Überblicksflyer für 2015 finden Sie auf unserer Website.

Ziel und Idee der Touren ist es, Entscheidungsträger aus allen relevanten Branchen mit den Umsetzern der Energiewende sowie innovativen Klimaschützern der Region zusammenzubringen.

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Die zukünftige Gestaltung des Strommarkts: das Grünbuch des Bundeswirtschaftsministeriums als Diskussionsgrundlage

„Ein Strommarkt für die Energiewende. Diskussionspapier des Ministeriums für Wirtschaft und Energie (Grünbuch)“ lautet der offizielle Titel des am 31. Oktober 2014 veröffentlichten Grünbuchs von Staatssekretär Rainer Baake und Minister Sigmar Gabriel. Die im Grünbuch enthaltenen Thesen, Vorschläge und Optionen werden bis zum 15. März öffentlich zur Diskussion gestellt, um als Vorstufe zu einem Ende Mai 2015 erscheinenden Weißbuch zu dienen. Das dann wiederum bis zum 15. September 2015 öffentlich zur Konsultation gestellte Weißbuch soll die Grundlage für notwendige Gesetzesänderungen bilden.

Das Grünbuch beschreibt in Teil 1 den „Strommarkt von heute und morgen“, benennt in Teil 2 „Maßnahmen für einen sicheren, kosteneffizienten und umweltverträglichen Einsatz aller Erzeuger und Verbraucher („Sowieso-Maßnahmen“)“ und diskutiert in Teil 3 „Lösungsansätze für eine ausreichende, kosteneffiziente und umweltverträgliche Kapazitätsvorhaltung“ an. Durch die Abschaltung des letzten deutschen AKWs 2022 und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien ändert sich der deutsche Strommix in den nächsten Jahren. Der Strommarkt soll in dieser Übergangsphase einerseits ausreichend Kapazitäten vorhalten (Vorhaltefunktion) und andererseits den Einsatz verfügbarer Kapazitäten optimieren (Einsatzfunktion). Hierfür will die Große Koalition einen neuen Ordnungsrahmen schaffen, der dies dank eines angepassten Marktdesigns garantiert.

Schauen wir uns einmal genauer an, welche Ziele, Mittel und Lösungswege das Diskussionspapier auf gut vierzig Seiten Text anbietet: Das Grünbuch stellt fest, dass es erhebliche Kraftwerks-Überkapazitäten in Deutschland und seinen Nachbarländern sowie im restlichen Europa gibt, die in den nächsten Jahren abgebaut werden müssen. Der Netzausbau wird als eine der „Sowieso-Maßnahmen“ als unvermeidbar und gegeben vorausgesetzt und soll beschleunigt umgesetzt werden. Zur Stärkung der Marktpreissignale sollen die Spot- und Regelleistungsmärkte weiterentwickelt, die Anreize zur Bilanzkreistreue gestärkt und die Struktur der Entgelte, Umlagen und Abgaben in Richtung Flexibilität und Reaktionsfähigkeit fortentwickelt werden. Das nicht funktionierende europäische Emissionshandelssystem soll reformiert werden. Ob die installierte KWK-Leistung stark erhöht werden soll, stellt das Grünbuch zur Diskussion.

Ausführlich wird dann die Frage eines zusätzlichen Kapazitätsmarktes ab 2020 erörtert. „Im Kern geht es bei der Debatte um die Frage, ob ein optimierter Strommarkt erwarten lässt, dass Investitionen in die selten genutzten, aber dennoch erforderlichen Kapazitäten getätigt werden.“ Um eine klare Antwort auf diese Frage drückt sich das Grünbuch noch herum, als Tendenz lässt sich aber eine ablehnende Haltung herauslesen, was die Errichtung eines Kapazitätsmarktes betrifft.

Fazit: Der Ist-Zustand des im europäischen Kontext betrachteten Strommarktes und die in den nächsten Jahren anstehenden Aufgaben werden recht gut dargestellt. Mögliche Lösungsansätze werden sehr lückenhaft und wenig ambitioniert skizziert. Hier ist viel Raum für konstruktive Vorschläge und Kommentare, sei es zum Strommarktdesign, zum Klimaschutz, zum KWK-Ausbau, zum Speicherausbau und anderen Maßnahmen. Der Wirtschaftsverband 100 Prozent Erneuerbare Energien wird die Debatte aufmerksam verfolgen und sich gegebenenfalls wie der BEE, Greenpeace, das IWR und manche andere mit Vorschlägen zu Wort melden.

Auf der BMWi-Website steht dazu Folgendes: „Stellungnahmen zum Grünbuch bzw. zu einzelnen Kapiteln des Grünbuchs können bis zum 1. März 2015 an folgende E-Mail-Adresse geschickt werden: gruenbuch-strommarkt@bmwi.bund.de. Die Stellungnahmen werden bei Einverständnis des jeweiligen Absenders in geeigneter Form auf der Internetseite des BMWi veröffentlicht. Von natürlichen Personen werden lediglich der Vorname und der Anfangsbuchstabe des Nachnamens veröffentlicht.“

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Termine

Auch die nächsten Wochen bieten wieder viele Gelegenheiten, eine ganze Reihe hochinteressanter Veranstaltungen in Freiburg zu besuchen.

Vortrag zur Energiewende von Prof. Eicke Weber

Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), Prof. Dr. Eicke R. Weber, spricht am Donnerstag, den 26. Februar, um 19 Uhr über „Die Energiewende zwischen Hoffnung und Enttäuschung“. Veranstalter sind der BUND-Regionalverband mit seinen Ortsgruppen Schönberg und Freiburg, Ort ist der Hörsaal 1098, Kollegiengebäude I, Platz der Universität 3, Universität Freiburg.

Vortrag: In eine attraktive, ökologische Geldanlage investieren – von Bene Müller

Am 4. März wird schließlich Bene Müller, Vorstand der solarcomplex AG, dem Bürgerunternehmen für regenerative Energien, über eine attraktive, ökologische Geldanlage berichten. Unser Gesellschafter wird im Solar Info Center Freiburg (Emmy-Noether-Str. 2, 79110 Freiburg) nach einer kurzen Einführung meinerseits über die neue Aktienausgabe der solarcomplex AG und die die damit verbundenen bestehenden und geplanten Anlagenprojekte sprechen. Vorab können Sie sich schon unter www.solarcomplex.de informieren.

GETEC 2015 vom 27. Februar bis 1. März

Am letzten Februar-Wochenende bietet die Messe Gebäude.Energie.Technik (GETEC) bereits zum achten Mal auf dem Freiburger Messegelände die ganze Themenvielfalt der Energiewende rund ums Gebäude dar. Zusätzlich nimmt das Thema Elektromobilität einen breiten Raum ein. Besuchen Sie die GETEC mit Ihrem persönlich erstellten Online-Ticket umsonst.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch an unserem Stand in Halle 2, Standnummer 2.5.85. Unteraussteller des Wirtschaftsverbands 100 Prozent sind dieses Jahr ENERGOSSA, Energy Consulting Christian Meyer, die GLS Bank Freiburg und das Solar Info Center - Center Service. 

Das Programm der GETEC 2015 finden Sie hier. Die Angebote sind für Messebesucher kostenlos, bei einigen Vortragsveranstaltungen ist jedoch eine Anmeldung erforderlich.

Weitere Veranstaltungen zum Thema Energie finden Sie in unserem Terminkalender:
http://www.wee100prozent.de/termine/

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